Nun sind schon wieder zwei Wochen vergangen, seit dem die Equipe SunClass beim Rothaus RiderMan 2011 an den Start gegangen ist. Und nur noch wenige Tage bis zum Saisonabschluss in Münster.
Wir fragen die 4 Rennfahrer, welche Eindrücke sie vom RiderMan mit nach Hause nehmen. Anfangen darf die strahlende Dritte der AK “Riderwomen”-Wertung, unsere Ines Hinrichs.

“Noch immer bin ich superstolz auf unsere Leistung in Bad Dürrheim – und ich kann mich auch noch immer freuen wie eine Schneekönigin über meine Platzierung. Das war wirklich ein tolles Gefühl, dort im Saal vor all den Rennradfahrern auf die Bühne zu gehen und beklatscht zu werden. Fast schon ein bisschen peinlich: Immerhin hätten ja auch die Jungs mit aufs Podest müssen!”, sagt die Fahrerin, die für die ausgefallene Swantje spontan mit an den Start gegangen ist.

Das Einzelzeitfahren hat Ines so in Erinnerung: “Ich kenne aus meiner eigentlich Radsportkarriere beim Lizenzteam Flussfisch Berger & Römer die Rampenstarts ja schon, hatte deshalb weniger Bammel vor den 3 Metern schiefe Ebene, wie die Jungs.” Sie grinst. “Aber es ist immer wieder ein toller Moment, wenn du da oben stehst, alles nur auf dich schaut und der Ansager deinen Namen sagt. Heiko, Nico und Lars haben derweil genau gegenüber dermaßen Applaus geklatscht, dass der Ansager sogar eine SunClass-Laola-Welle ausgelöst hatte – das pusht dann natürlich umso mehr!”
Ines bestreitet die 16 Kilometer Einzelzeitfahren auf dem guten 10ten Platz der Damenwertung: Im Mittelfeld.

“Unterwegs habe ich kaum nachgedacht. Ich kannte die Strecke ja schon vom Vormittag her, als wir sie inspiziert hatten, und wusste genau, wann ich wo wie zu fahren hatte. Ich kannte den steilen Anstieg am Anfang, wusste um den Gegenwind, der mir auf der anderen Seite entgegen schlug und die Engstelle bei der Wendemarke.” sagt sie und denkt kurz nach: “Zum Glück habe ich nicht so viel nachgedacht – denn wenn ich mir immer wieder vor Augen geführt hätte, wie sehr ein Zeitfahren weh tut, wäre ich wohl vielleicht sogar anders gefahren.”
Ines schießt über die Ziellinie und kann stolz sein: Sie hat alles gegeben!

Am zweiten Tag steht das erste von zwei Straßenrennen an. Wie konnte sich Ines vorbereiten?
“Die Lizenzrennen sind bei uns meist sehr viel kürzer. Meine Spezialität sind Rundkurse, gern mit viel Pflasterstein, und kurze, knackige Runden. Deshalb war ich etwas skeptisch, als wir unter Applaus der Schaulustigen am Samstag ins erste Straßenrennen sind. Ich habe ja nicht so viel Erfahrungen mit großen – noch dazu gemischten – Feldern bei den Jedermännern.”
Ines hat, wie alle anderen auch, ein bisschen mehr als 82 Kilometer und knapp 1.000 Höhenmeter vor sich.

“Aber es lief fantastisch! Das Wetter war super und das Feld – vielleicht, weil sie alle noch vom Zeitfahren des Vortages etwas groggy waren – sehr diszipliniert. Was mich überrascht hat, war die Rennhärte: Sie haben gleich vom Start weg dermaßen Stoff gegeben, dass ich schon nach wenigen Kilometern brennende Lungen hatte. Dazu der Wind, der am Samstag ziemlich schnell – natürlich zusammen mit den Steigungen – für ein gerupftes Feld gesorgt hatte. Die Jungs waren schon längst weg, als musste ich mir eine Gruppe suchen.”
Wie erlebt Ines die 18% Hammer-Rampe, die zum Schluss auf die Teilnehmer gewartet hat?

“Ich war super platt, als es in die Steigung ging – fuhr am Ende meiner kleinen Gruppe und dachte, mir fliegen meine Oberschenkel auseinander. Alter Schwede: 18 Prozent nach 70 Kilometern Vollgas und etlichen vorhergagangenen Steigungen hauen schon mal richtig rein. Aber als ich oben war, musste ich einfach nur grinsen! Denn ich wusste ja: Jetzt gehts nur noch über den Berg von gestern und dann kommt die Dusche!”
Ines belegt an diesem Tag einen fantastischen vierten Rang ihrer Altersklasse und rutscht mit nur 5 Minuten Rückstand an einem Podiumsplatz für die tägliche Siegerehrung vorbei.

“Das mit dem Podium haben wir alle erst kapiert, als wir abends bei der Siegerehrung saßen. Ich glaube, da ist erstmal allen klar geworden, dass wir eine reale Chance auf eine gute Platzierung hatten, wenn wir nur als Team agieren würden. Und so ist dann die Idee geboren, mich nach vorn zu fahren.”, sagt sie und grinst schelmisch. “Wo, wenn nicht bei den Jedermännern kann man sich als Dame von kräftigen Jungs helfen lassen?”
“Der dritte Tag war vom Wetter her natürlich mies. Richtig mies – Dauerregen, kalt. Meine Laune war alles andere als gut.”
Der Lohn der Arbeit ließ allerdings nicht lange auf sich warten: Stoolz wie Oskar, könnte man das nennen.

“Ich wusste ja schon, dass ich aufs Podium gefahren bin – die Ergebnislisten haben wie jeden Abend am Eingang zur Stadthalle gehangen, wo allabendlich die Siegerehrungen abgehalten werden.”, sagt Ines, noch immer sichtlich erfreut und aufgeregt. “Aber als sie dann meinen Namen genannt haben und ich unter dem Beifall der fast 400 Gäste auf die Bühne durfte, war ich einfach nur glücklich!”
Ines hatte 2011 auch die Damenwertung der Vattenfall Cyclassics gewonnen. Allerdings ohne Siegerehrung. Ihre Freude übertrug sich auf das gesamte Team, das nach den 3 Etappen von Bad Dürrheim an diesem Abend den dritten Platz in der Gesamtwertung noch zünftig zu feiern wusste.
Einen nicht unerheblichen Beitrag zum Erfolg der Equipe hat Heiko geleistet. Wie sieht er das Rennen heute mit Abstand?

“Bad Dürrheim war für mich zweifellos eines der aufregendsten Rennen im Kalender. Nicht so sehr der Härte wegen. Auch nicht wegen des bescheidenen Wetters am dritten Tag – es war die Kombination aus harten Strecken, sehr unterschiedlichen Anforderungen an Kraft, Taktik und Rhythmus und natürlich der Fakt, hier drei volle Tage lang das Beste geben zu müssen.”
So hebt sich der RiderMan schon einmal von den übrigen Eintagesrennen des German Cycling Cup ab.

“Bevor ich als Fahrer bei SunClass anheuerte, wollte ich mich 2011 eigentlich noch mehr auf meine Triathlons konzentrieren.”, sagt Heiko. “Und so hat mich das Einzelzeitfahren als wunderschöne Chance natürlich umso mehr gereizt: Endlich die Zeitfahraufsätze einmal im Wettbewerb nutzen zu können war eine prima Sache.”
Das Wetter war perfekt – Heikos aerodynamisch perfekte Position auch.

“Am Ende der 16 Kilometer war ich auch am Ende.”, erinnert er sich. “Mir war bei all dem Windschattenfahren im Feld bei den Rennen gar nicht mehr so bewusst, wie hart das Fahren allein im Wind sein kann. Die 16 Kilometer waren höchst anspruchsvoll und der Steigung und des Windes wegen auch eigentlich eher nicht so mein Geschmack. Als mich dann 3, 4 andere Teilnehmer auf ihren Zeitfahrmaschinen überholt hatten, wurde ich auch sehr schnell in die Realität geholt”
Heiko beendet das teaminterne Zeitfahren auf dem zweiten Rang.
“Dass Nico einfach mal so, ohne Training, ohne Zeitfahraufsatz und – wie er selbst immer betonte – auch ohne Ambitionen mal locker fast eine Minute schneller fuhr als ich, war Wahnsinn. Sicher hatte sich bei ihm einfach nur der Wind gedreht …”, sagt er und grinst.

“Die zweite Etappe bin ich relativ ruhig angegangen. Mir steckte noch ein zwickender Muskelkater in den Waden und so wollte ich den Samstag – vor dem sie uns in der Streckenvorschau immer wieder mit den 1.000 Höhenmetern und der bösen, bösen Rampe zum Schluss versucht haben, Angst einzujagen – einfach nur gut platziert über die Runden bekommen.”
Am Ende packt ihn dann doch des Renn-Virus und Heiko powert!

“Ich hatte eine Supergruppe erwischt – nicht viele, vielleicht 10 Fahrer, aber die haben sich wirklich klasse abgewechselt und Tempo gemacht.” sagt er. “Sicher, da lässt man sich dann auch nicht lumpen und leistet natürlich seinen Beitrag.”
So kann Heiko vor allem in den Flachstücken seine Qualitäten voll ausspielen und ist des öfteren an der Spitze der Gruppe zu sehen, wo er die Pace macht und den Windschatten vorgibt, hinter dem sich seine Mitstreiter wegducken können.
“Ein tolles Gefühl, sich zu verausgaben und zu wissen, dass man die Meute hinter sich herzieht. Aufpassen musste ich natürlich, nicht dass am Ende noch der Mann mit dem Hammer kommt!”, sagt er und meint die Hammersteigung am Ende der Etappe.

“18% zu fahren ist an sich schon hart – aber nach 70 Kilometern Vollgas bei warm-feuchtem Wetter bei Renntempo ist schon was ganz anderes!” Wehe dem, der weniger als 25 Zacken im größten Ritzel hat! “Uns allen war natürlich klar, dass wir keine Chancen auf das Bergtrikot hatten – und doch haben sie am Fuße der Steigung alle reingehauen, als sei der Teufel hinter uns her!”
Der RiderMan ist eben kein Spaziergang.
Noch weniger Spaziergang war dann der Sonntag mit der zweiten Straßenetappe: Regenwetter und Kälte!

“Nachdem Lars vorne weg gefahren war kümmerte ich mich allein um Ines. Wir hatten uns in den Kopf gesetzt, alle Frauen, die in Reichweite waren, zu überholen.”, sagt er und spielt auf die gute (aber enttäuschend knappe) Platzierung der SunClass-Dame am Vorabend auf Rang 4 an. “Ich hatte richtig Spaß dabei, mich vor Ines zu spannen und sie durchs Feld zu ziehen. Jedes mal, wenn wir einen Zopf gesehen haben, dachte ich mir: “Ran da! Die kriegst Du!” und dann haben wir Gas gegeben. Dass alles so gut klappt war uns damals natürlich nicht bewusst, erst viel später, als wir Lars wieder eingeholt hatten, da kribbelte es und ich wollte einen Besen fressen, wenn wir nicht einen super Platz heraus gefahren hatten.”
Mit dem Regenwetter und der Kälte kam Heiko gut zurecht: “Unsere SunClass-Teamklamotten sind in der Langversion geflockt und damit schön warm. Und wenn man ein mal nass ist, ists eh egal …”
Nass wurde, wie alle Teilnehmer, auch Lars.

“Für mich war der RiderMan nach Rad am Ring das wichtigste Rennen im Kalender für SunClass”, eröffnet er. “Vor dem Rennen hatte ich mich allerdings ganz schön verschätzt, denn ich hatte angenommen, dass die relativ überschaubare Teilnehmerzahl von nur 400 Fahrern eine punktebringende Platzierung ab Platz 200 für uns quasi garantiert.” Er schüttelt seinen Kopf. “Als ich dann aber beim Zeitfahren nur auf dem 330ten Platz gelandet bin – gleichauf mit den Ü50-Fahrern der Damen – da war das schon sehr ernüchternd.”
Das weiß er natürlich noch nicht, als er auf der Rampe steht und auf seinen Start wartet.

“Ahh, das war herrlich! Da oben stehen, sie rufen deinen Namen, treibende Beats pushen den Blutdruck nach oben und du sagst dir immer wieer: Jetzt 16 Kilometer Vollgas, keine 30 Minuten, und dann ist alles vorbei! Und dann sitzt du schon auf dem Rad, hast schweißnasse Hände, das Herz pocht und sie zählen die Sekunden herunter – das ist Vollrausch und Spannung pur!”

Lars geht als Dritter der Equipe auf die Strecke – da ist Ines schon auf dem Rückweg, Heiko drei Minuten vor ihm gestartet schon fast auf der Spitze des ersten Berges. “Ich wusste ja noch nicht, wie langsam im Vergleich zu den anderen ich unterwegs sein würde – immerhin bin ich das erste Flachstück mit 50, 51 km/h gefahren und habe dann bergauf richtig hart gekurbelt – aber als dann nach den ersten 2, 3 Kilometern die ersten Jungs mich überholt hatten und das in einem Tempo, dass ich dachte, ich stehe, da war das schon richtig ätzend!”
Lars erreicht mit einer 27er-Zeit das Ziel – und ist sehr enttäuscht.

“Ja, was soll ich sagen? Mich hat das einfach umgehauen, dass es da Leute gibt, die 4, 5 Minuten schneller sind als wir. 5 Minuten auf 16 Kilometer! Und wir es nicht einmal schaffen ins sicher geglaubte Mittelfeld zu fahren – das war echt hart!”
Abends, sagt Lars, haben sie noch sehr lange über das Leistungsniveau beim RiderMan diskutiert. “Ja klar, da sind Leute extra mit 10.000 € teuren Zeitfahrmaschinen, Spead-Suits und Stromlinienhelmen an den Start gegangen und klar, deren Beine sind doppelt so dick wie meine – aber so deklassiert zu werden war einfach nur unschön.”
Das sollte sich während der zweiten Etappe ändern.

“Ich musste mit Heiko in den letzten Startblock – D – während Ines aufgrund ihrer guten Platzierung einen Block vor uns und Nico, der gestern der Schnellste war, aus B heraus starten konnte. Das war schon ein bisschen hart, sich ganz hinten einzuordnen. Denn ich dachte mir, so sind die nervösen vorn und hinten sind die Gemütlichen” Lars sieht die Gefahr – was sich leider bewahrheiten wird.

“Das Wetter war Gottseidank super geblieben und ich konnte mich in der Nacht auch gut regenerieren – bin also mit guten Beinen an den Start gegangen. 80 Kilometer und 1.000 Höhenmeter: Das hat mich sehr an das Auftaktrennen in Göttingen erinnert und so habe ich mich sehr auf diese Etappe gefreut.”, sagt er und meint damit die Steigungen: “Ich hatte mir das Höhenprofil genau angeschaut und mir die Schlüsselstellen eingeprägt, an denen ich meine Stärken ausspielen wollte.”
Aber der Startplatz relativ weit hinten, der harte Gegenwind, der noch immer hinter der Hirschhalde auf das Peloton wartete und der Fakt, dass die schnellen Gruppen vorn sich absetzen konnten, während Heiko und Lars hinten erstmal nach vorne mussten, bremsten: “Wir hatten eine ziemlich schnelle Gruppe von 20, 30 Fahrern gefunden, die dann aber in einer Passage mit extremem Gegenwind dermaßen Gas gegeben hat, dass ich abreißen lassen musste – Heiko konnte dran bleiben. Da war ich allein.”

Lars musste sich 40, 50 Kilometer alleine über die Strecke retten: “An sich war das kein Problem, denn in den Bergaufpassagen war ich eh meist schneller, als die anderen – im Mittelstück der Strecke gab es auch wenige wirklich dem Wind ausgesetzte Abschnitte. Aber sicher, da, wo es mal schnell gehen sollte und ich auf Abfahrten, Geradeausstücken und Flachstrecken Windschatten und die Beine einer Gruppe hätte gebrauchen können, hatte ich keine.”
Und so muss er sich dann auch allein die 18%-Rampe hinauf kämpfen: “Das war nicht weiter schlimm. Ich hatte vorher noch 2 Jungs überholt, war knapp einem Unfall ausgewichen und hatte die schnelle Anfahrt zur Rampe wie ich finde in einem ganz ordentlichen Tempo absolviert – da habe ich die Steigung irgendwie als Belohnung empfunden. Und da die Zuschauer nur für mich alleine klatschen zu schienen, war das umso toller.”
Lars kämpft sich an diesem Tag – zwar noch immer außerhalb der Punkte – doch immerhin teamintern auf den zweiten Platz hinter Heiko.

“Abends sind wir alle in die Bad Dürrheimer Therme gegangen und haben es uns in den Jacuzzis, den Massagebecken, in der Dampfsauna und bei ein paar geschwommenen Bahnen gut gehen lassen – ein Traum. Da haben wir dann auch besprochen, wie wir an dem Sonntag vorgehen wollen würden – denn uns war ja die gute Platzierung von Ines nicht entgangen.”
Den Sonntag erlebt Lars mit gemischen Gefühlen.

“Ich fahre gern schnell bergab.”, beginnt Lars. “Aber das war am Sonntag schon teilweise echt kriminell: Die Königsabfahrt zog sich über 6, 7 Kilometer hin in die Wuchtaschlucht – die Straße war pitschnass, die Hände waren eingefroren und ich hatte im Pulk fahrend echt Angst, dass etwas passiert!” Lars lässt sich bewusst ans Ende der Gruppe fallen und nimmt einige Dutzend Meter Abstand in Kauf – nur ja sicher unten ankommen!
“Wenn es nass ist ist die Bremswirkung stark eingeschränkt: Man muss die ersten Sekunden schon richtig hart an den Hebeln ziehen, aber da bremst noch nix. Erstmal muss die Reibungshitze das Wasser auf der remsflanke verdampfen. Und dann, plötzlich, beißen die Bremsen zu! In diesem Moment muss man sehr sehr dosiert bremsen, denn die Räder blockieren und rutschen sofort weg. Da hatte ich meine Hosen schon ein bisschen voll!”
Lars kann die Abfahrten trotzdem sicher meistern.

“Der Rest ist Geschichte: Ich habe mich vor zu Heiko und Ines gearbeitet. Im folgenden Gegenanstieg hat mich dann das Jagdfieber gepackt und ich bin der Gruppe davongefahren. Es lief so prima, dass ich bestimmt 4, 5 Minuten Vorsprung auf den 8 Kilometern Anstieg herausgefahren habe. Umso schockierender, dass mich die beiden in der Abfahrt, 15 Kilometer vor dem Ziel wieder eingeholt – und sogar überholt hatten!”
Lars ist ausgebrannt, hat zu hoch gepokert und muss abreißen lassen. Er kann im Endspurt nicht mehr Ines helfen, so muss Heiko das SunClass-Mädel sicher zum Zielsprint führen – mit bekanntem Ergebnis. “Naja, wenigstens konnte ich vorher noch 2 Damen etwas kaputt fahren, indem ich sie in meinem Windschatten angelockt und dann stetig Gas gebend ausgelaugt habe.”, sagt er.
Nicolas war der Ersatzmann für Steven Brown, der nach Swantjes Unfall – da selbst schon einmal an der Wirbelsäule verletzt – das Team verlassen hatte. Wie sieht er die drei Tage von Bad Dürrheim?

“Zunächst einmal war ich überrascht, wie professionell das alles ablief.”, sagt er. “Ich wurde prima eingekleidet, musste mich um nichts kümmern und wurde von allen im Team herzlich und freundschaftlich aufgenommen.” Ein Fakt, der auch Ines in guter Erinnerung ist: “Es hat sich schon nach wenigen Stunden so angefühlt, als ob ich die Jungs schon ewig kennen würde”, sagt Nico und muss lächeln.
Vor dem Zeitfahren gibt es bei Nic noch Zweifel …

“Ich mache zwar viel Triathlon – kenne daher die Belastung eines Einzelzeitfahrens – aber da ich kaum trainieren konnte in letzter Zeit fühlte ich mich beim Start gar nicht so gut. Ich hatte schwere Beine, war von der Arbeitswoche noch etwas platt und wusste nicht so genau, ob es gut laufen würde.”
Umso überraschter ist Nic, als er förmlich über die Ziellinie fliegt: “Die drei Anderen waren ja schon im Ziel und sie warteten am Zielstrich auf mich – ich habe sie nicht gesehen, aber ich wusste, dass sie da waren. Das gibt natürlich nochmal Extrapower. Dass ich dann mit unter 26 Minuten die beste Zeit des Teams abliefern konnte, hat mich natürlich superstolz und froh gemacht.”
Einstand gelungen, befindet das Team.

“Das Straßenrennen des ersten Tages allerdings war die reine Qual für mich.”, erzählt er weiter. “Das Tempo war dermaßen hoch, dass ich eigentlich ständig mit Seitenstechen und brennenden Lungenflügeln unterwegs war. Zudem machte sich langsam eine Erkältung breit – irgendwie war das nicht mein Tag.”
Trotzdem beißt er sich durch und kann eine sehr gute Zeit platzieren.

“Als ich am Morgen des Sonntags draußen die dunklen Wolken und die dicken Tropfen in den Pfützen sah, war meine Motivation gen Null.” Mit Kopfdrücken und Schnupfen im Regen ein Rennen unter Höchstleistung zu fahren, das war für Nicolas die schwerste Entscheidung des Tages: “Ich wusste ja, dass die Jungs für Ines fahren wollten – aber ich wusste auch, dass ich eigentlich ins Bett und nicht auf den Sattel gehörte.”
Da Nicolas aber weiß, dass nur dann das Team punkte bekommt, wenn 4 Fahrer im Ziel ankommen, entscheidet er sich, trotzdem in den verregneten Startblock zu rollen. Sein Team zollt ihm Anerkennung.
“Ich fuhr mit – aber ich sagte ihnen, dass ich nur auf Ankommen fahren werde.”

“Im Rennen selbst war es dann gar nicht so schlimm”, gesteht er. “Wenn man erstmal nass ist, ist einem der Rest auch egal. Man fliegt so mit, Pfützen, Gischt, Feuchtigkeit in Hosen und Trikots – egal.” Nur bei der Sicherheit macht Nicolas keine Abstriche: “Die Abfahrten waren teilweise wirklich schwierig: Enge Kurven, hohe Geschwindigkeiten – einmal hatte es feinen Schlamm von einem Berg auf die Straße gespült. Da mache ich lieber langsam, als noch einen Sturz zu riskieren.”
Und dennoch: Nicolas kommt mit wesentlich weniger Rückstand auf die drei Teamkollegen ins Ziel, als erwartet. Das Ergebnis: Am letzten Abend können die vier Fahrer des Teams SunClass nach einer ausgiebigen, langen heißen Dusche die Korken knallen lassen.

“Wir haben uns gefühlt wie die Sieger der Tour de France!”, schwärmt Lars von dem Gefühl, den RiderMan zu Ende gefahren zu haben: “Drei Etappen durchziehen – das ist etwas ganz anderes, als ein Eintagesrennen.”
Auch Heiko pflichtet dem bei: “Ich fand es großartig im Schwarzwald! Wir haben so ziemlich alle Facetten des Rennrad-Sports mitnehmen können – High-Speed, Einzelzeitfahren, Gruppenfahren. Wir hatten Steigungen (und was für welche!), hatten Abfahrten, hatten Taktik ud Strategie-Spielchen – einfach perfekt!”
“Ich muss sagen, dass ich es super interessant fand, beim Team SunClass des RiderMan mitzufahren.”, sagt Nicolas, “Allerdings habe ich festgestellt, dass der Triathlon dann doch eher was für mich ist. Diese Hektik im Feld, massenweise um enge Kurven hetzen, die allgegenwärtige Sturzgefahr, das ist nichts für mich.”
Ines bringt formuliert es für sich so: “Ich fand, es war eines der lustigsten, tollsten, härtesten und besten Rennrad-Erlebnisse, die ich je hatte. Gar nicht zu vergleichen mit Lizenzrennen. Wild und hektisch, dabei doch so geordnet und, was mich am meisten erstaunt hat, so unglaublich hart vom Niveau her! Hut ab, “Jedermann-Rennen” klingt immer so niedlich, nach Volkshochschulkurs irgendwie – aber das ist es nicht. Es sind vollwertige, professionelle und leistungsmäßig superharte Rennen!”

Dass es unsere vier Fahrer geschafft haben, endlich das SunClass-Trikot auf ein Treppchen einer Siegerehrung beim German Cycling Cup zu bekommen, ist ein großer Erfolg – wenn nicht sogar der größte dieser Saison – für die Equipe.
Und damit nicht genug. Das Team konnte durch den Einsatz im Schwarzwald seine gute Position der Teamwertung des German Cycling Cup von Platz 35 auf den fantastischen 22ten Platz verbessern.
Ob dieser Platz beim letzten Rennen der Saison, dem Münsterland.Giro, zu halten ist – oder sich vielleicht sogar eine Verbesserung realisieren lässt? Diese Antwort werden wir spätestens am 3. Oktober geben können.
