Während daheim in Hamburg dei Equipe SunClass mit den Fahrern Florian und Jan an den Start des Hausrennens Cyclassics geht, sind unsere beiden Radrennfahrer Heiko und Lars bereits seit Freitag im Wohnmobil unterwegs – es geht in die Eifel. ruft der Nürburgring und die legendäre Nordschleife.

Mit dem SunClass-Teamwagen geht es am Freitag Nachmittag los.

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Keine German Cycling Cup-Punkte

Mit Absicht verzichtet das Team auf wertvolle Punkte für die Gesamtwertung im German Cycling Cup: “Obwohl wir an dem 150 km-Rennen hätten teilnehmen können, war es uns wichtiger, das Experiment mit den 24 Stunden zu fahren”, erklärt Lars Reisberg die ungewöhnliche Entscheidung: “Das bedeutet zwar, dass wir für die drei letzten Rennen der Serie – Nürnberg, Rider Man und Münstlerland.Giro – noch einmal richtig Gas geben müssen, aber die Chance, hier auf der Nordschleife ein 24-Stunden-Rennen zu bestreiten, war einfach viel zu verlockend.”

Sarah ist die “Gute Seele” – als Boxenmanagerin sorgt sie für Wohl und Weh der Rennfahrer.

Begleitet werden die Fahrer von Sarah, der Boxen-Managerin und Timo Albrecht, einem jungen Filmemacher, der schon den Film “SunClass – Solarmodule aus deutscher Herstellung” produziert hat. Hier geht es zum Film

“Ich fand es von Anfang an spannend, für die Jungs die Box zu schmeißen.”, sagt Sarah auf der Fahrt im Caravan. “Wir haben einen sehr genauen Ernährungsplan ausgearbeitet, der mit der Rundenplanung der Fahrer korrespondiert: So weiß ich, wann ich welches Essen zubereiten muss und die Jungs wissen, wann sie welche Speisen erwarten.”

Speiseplan und Rundenplanung unterwegs: 20 Runden? Kein Problem!

So gibt es neben einem Power-Frühstück, bestehend aus Müsli, Früchten und Obst einen kohlenhydratreichen Mitternachts-Snack (Pasta á la Bolognese) und während der Dunkelphase Baked Potatoes mit Lachs sowie zum Wachwerden starken Kaffee mit Vollkornbrot und dick Nutella. Der Plan war dabei so flexibel gehalten, dass auf individuelle Wünsche und unterschiedliche Rundenzeiten eingegangen werden konnte.

Der ursprüngliche Rundenplan: Ab Runde 2 obsolet.

“Kohlenhydrate sind die Basis des Ernährungsplanes – dabei sollter er so abwechslungsreich und lecker wie möglich sein, denn ich weiß, wie wenig Appetit man verspührt, wenn man lange Belastungsphasen durchmacht.” Zudem ergänzt ein reichhaltiger Recovery-Drink, den jeder Fahrer sofort nach seiner Runde bekommt, den Vitalstoffhaushalt und füllt die Mineralreserven wieder auf.

“Wir haben zunächst mit Einzelrunden und dem Wechsel nach jeder Runde geplant”, sagt Heiko, “Dann, nach Sonnenuntergang, wollten wir Doppel- und Dreifachrunden fahren, sodass der jeweils in der Box anwesende Fahrer wenigstens für 60, 70 Minuten seine Augen würde zumachen können.”

Dass es am Ende ganz anders kam, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.

Troubleshooting am Ring

Der Caravan trifft Samstag morgens um 1 Uhr am Nürburgring ein, darf aber nicht mehr auf das Gelände. So muss die Equipe zunächst auf einem der zahlreichen Parkplätze übernachten: Bei eisigen Temperaturen.

Das Fahrerlager im Innenbereich des Formel-1-Kurses. Viele “üben” schon mal die Runde.

Wenig ausgeschlafen geht es früh um kurz nach 6 Uhr schon wieder los: Ein Durchfahrtsschein muss besorgt und die Box eingerichtet werden. Vor Ort dann der Schock: Die angeblich 3 x 6 Meter große Parzelle wird durch einen Stromverteiler zerschnitten, sodass der Caravan mehrmals umgeparkt werden muss. Ärgerlich, denn so gehen den Fahrern wertvolle Stunden verloren, die sie sich eigentlich noch einmal ausruhen wollten.

Um das kleine schwarze Kästchen dreht sich alles: Der Transponder.

Die Startunterlagen und der Transponder werden geholt, erst um 12 Uhr ist alles soweit bereit: Zu spät, um noch einmal zur Ruhe zu kommen. Heiko, der die erste Runde fahren wird, geht mit einem Schlafdefizit ins Rennen. Auch Lars ist zu aufgekratzt, als dass er sich noch einmal hätte hinlegen können.

Heiko ist am Start – in der Box sind wir nicht minder aufgeregt.

“Alles ist auf GO!”, beschreibt Lars seine Gefühle: “Du hörst, wie sie drüben bei Start/Ziel die Sekunden runterzählen, dein Herz pocht und du wünschst deinem Kollegen und allen anderen alles Gute. Es war unbeschreiblich – alle in der Boxengasse standen vor ihren Zelten, Caravans und klatschten, drehten die Musik auf und jubelten. Einfach unbeschreiblich!”

Start: Die erste Runde Nordschleife!

Pünktlich um 13:15 Uhr wird das Rennen sowohl für die Jedermänner, die im Rahmen des German Cycling Cup fahren als auch für die Mountainbiker freigegeben.

Konzentration vor dem Startschuss – im Fokus.

“Es ging sofort mächtig zur Sache”, sagt Heiko: “Bei sängender Hitze sind alle sofort losgestürmt und so blieb mir keine Wahl, als dieses wahnsinnige Tempo mitzugehen.” Die Hitze ist ein Faktor: Die Strecke ein anderer.

Kurz vor dem Startschuss: Über 6.000 Rennfahrer machen sich bereit.

“Als erstes fährt man den Formel-1-Kurs komplett ab. Wahnsinnige Stimmung entlang der Strecke, die ganzen Boxen, in denen private DJs auflegen, die Grills, die langsam angefeuert werden und Massen an Schaulustigen, die applaudieren!” Auch Lars, der die zweite Runde fährt, ist begeistert: “Du bekommst eigentlich nur positive Vibes mit: Überall singen und klatschen sie, sie jubeln und gröhlen – eine wahnsinnige Stimmung!”

Heiko in den ersten Anstiegen – da kommt noch richtig was Dickes!

Doch nach dem Trubel folgt die Stille: In der Nordschleife applaudiert niemand mehr. “Dort gibt es nur dich, die Anderen und deinen angestrengten Atem”, sagt Heiko.

Top-Speed und Prozente

Dann geht es kurz bergan und auf die Nordschleife. Die ersten zwei Runden fahren beide noch sehr vorsichtig: Testen die Kurven aus, tasten sich vor allem an die High-Speed-Passagen ran: “Dass es verdammt schnell werden würde, wussten wir, aber dass es so schnell ist …” Noch immer leuchten dabei die Augen von Lars: Zunächst 81, dann 85 km/h und schließlich irrsinnige 95,7 km/h in der berühmten Füchsröhre stehen auf dem Tacho.

Das geht nur in der Fuchsröhre: 95,7 km/h Top-Speed für Lars.

Heiko geht es vorsichtiger an: “Ich hatte bei den schnellen Stücken ziemlich heftige Vibrationen im Rad, sodass ich da lieber nichts riskiert habe.”

Nach der Fuchsröhre und der handvoll weiteren Bergabstücken bleiben die Fahrer ziemlich schnell im Anstieg stecken: Die ersten 11 Kilometer gehen fast nur bergab, sind daher in wenigen Minuten gefahren. Ab Kilometer 11 allerdings – im sogenannten “Kesselchen” – sieht sich das Peloton am tiefsten Punkt der Norschleife: “Es ist ein wahnsinniger Anblick: Neben, hinter und vor allem vor Dir die steilen grünen Hänge der Berge – und du ganz unten!”

Nach den Abfahrten verlangt der Ring seinen Tribut: 550 Höhenmeter pro Runde!

Das Leiden beginnt.

Zunächst geht es moderat bergan: Keine 4 % Steigung sind zu meistern. Viele werden hier aber schon ihre Probleme bekommen, merkt Lars sofort, als er das erste mal von der Strecke kommt: “Dies ist eine clevere Strecke. Man wird verleitet, im High-Speed-Abschnitt voll reinzutreten, weil man dem Geschwindigkeitsrausch erliegt – diese Power fehlt dir dann aber unter Umständen beim Bergan-Stück.” Erste Lehren für weitere Runden.

Die Hohe Acht, das Rennrad-Diplom: 18 % auf mehr als 1.000 Meter. Jede Runde.

Zumal es nicht bei den 4 % bleiben wird. Nach dem Kreisel sind die Rennfahrer extrem gefordert: Bis zu 18 % steil ist der Schlussanstieg zur “Hochen Acht”, dem Angstgegner der Rennradfahrer. “Schon bei meiner zweiten Runde sind viele einfach abgestiegen und nebenher gelaufen”, gibt Lars zu Protokoll: Je mehr Runden in den Beinen stecken, desto mehr müssen vor der Hohen Acht kapitulieren. “Am nächsten Morgen ist bestimmt ein Drittel aller Rennradler hier vom Rad herunter gegangen.”

Bei allem Schweiß und Schmerzen: Der Nürburgring fasziniert.

SunClass bleibt natürlich sitzen!

Erste Erfolge

Die ersten Runden liegt die Equipe SunClass sehr gut im Rennen. “Um beim Transponderwechsel Zeit zu sparen, haben wir diesen an einer leeren Flasche Wasser befestigt – wir brauchen für die 25-Kilometer-Runde sowieso nur eine Flasche.”, erklärt Heiko das System: “Per Funk sagt der Fahrer beim Durchfahren von Start/Ziel Bescheid, der Andere hat nun 5-8 Minuten Zeit, sich klar zu machen.”

Wechsel: Noch im Stehen, bald im Fahren. Wir werden immer besser.

In dieser Zeit muss der Fahrer noch eine komplette Runde auf dem Formel-1-Kurs drehen, ehe er ins Fahrerlager einbiegt. Von Weitem schon ist SunClass Dank der neuen Trikots und Hosen gut zu sehen: “Wir fahren wie beim Staffellauf einige Meter nebeneinander, übergeben die Transponderflasche und dann wird Gas gegeben.”

Durch das Fahrerlager am Formel-1-Kurs: Party und DJs. Dann wird es ruhig. Und richtig hart.

Für Lars geht die dritte Runde, als Sarah im offiziellen Bereich des Nürburgring die aktuellen Standings checkt: “Ich war hoch erfreut und überrascht, dass wir an Platz 43 gestanden haben!” Voller Enthusiasmus wird sofort im Live-Ticker ein Update gefahren, eine Meldung über Funk soll Heiko, der gerade draußen ist, anspornen.

Platz 43 von 117 – das ist im besten Viertel des Starterfeldes – ein toller Wert!

Der Crash

Beim Wechsel in die sechste Runde bemerkt Lars nicht, dass es Heiko erwischt hat: “Kreislauf …” ächzt dieser mit letzter Kraft in den Caravan und sinkt benommen ins Bett. “Kreidebleich und vollkommen nass geschwitzt kam er rein”, erzählt Sarah, “Er war kaum in der Lage, gerade zu sitzen oder etwas zu essen. Wir haben ihn erstmal ins Bett gelegt, eine extra starke Recovery-Mischung bereitet und ihn in Ruhe gelassen.”

Abendbrot nach 4 Runden: Frische Pasta für die Kohlenhydratspeicher.

Es ist bereits dunkel, es sollte sich die extrem heiße, schwüle Luft bald abkühlen – aber würde es reichen, um Heiko aus dem Tief zu holen?

“Als ich von meiner Runde reinkam, war ich ausgelaugt. Es ist immer ein Glücksgefühl, wenn man die lange Gerade zurück zum Ring geschafft hat, den letzten, kleinen giftigen Anstieg vor Start/Ziel und dann ins Funkgerät sprechen kann. Man weiß – jetzt nur noch 7 Minuten durch den Formel-1-Kurs und dann wartet was zu Essen.” Doch diesmal steht nur Sarah draußen, als Lars reinkommt: Heiko muss eine Runde aussetzen.

Nach zwei Runden hintereinander: So fertig war Lars lange nicht mehr.

“Ich habe sofort gesehen, dass etwas nicht stimmt. Ich habe nicht angehalten – kapiert, dass ich draußen bleiben muss, nur kurz meinen Wasserstand gecheckt und bin weitergefahren.” Über Funk bittet Lars die Crew, Heiko wieder fit zu kriegen. Noch hofft er, dass das Team die Runden weiterhin im Stundenrhythmus abspulen kann. Aus der Box verschweigt man ihm lieber, dass es damit eher nichts wird.

“So fertig war ich selten.”, sagt Heiko hinterher: “Es ging einfach gar nichts mehr!”

Nachts mit dem Rennrad auf dem Nürburgring: Große Herausforderung, besonderer Reiz.

Lars überlebt die siebte Runde gerade so – als er reinkommt, empfängt ihn wieder nur Sarah allein. Nun ist klar: Die gute Platzierung ist dahin!

… was zu retten ist

“Ich habe mich wieder verpflegt, mich kurz hingelegt und bin nach 2 Stunden wieder auf die Strecke gegangen”, sagt Lars. Nun ist es schon stockdunkel – draußen geht der Rennbetrieb allerdings munter weiter. Es sind weit über tausend Rennfahrer zugleich auf der Strecke – es wird interessant sein, diese Strecke im Dunkeln zu fahren.

Egal, wie spät es ist: Sie fahren und fahren und fahren …

Der Formel-1-Kurs ist hell erleuchtet, erst, als es in die ersten Abfahrten geht, schaltet Lars das Helmlicht dazu. “Etwas spooky war es schon und ich bin auch nicht mit Fullspeed in die Abfahrten gegangen – Dank des Vollmondes aber und der kombinierten Leuchtkraft der vielen anderen Rennradfahrer konnte man erstaunlich viel sehen.”

Immerhin: In der Fuchsröhre, in der das THW große Leuchtstrahler postiert hatte, bringt er es noch auf 89 km/h. Ein ganz besonderer Adrenalinrausch.

“Dann wurde es allerdings hammerhart!” Es ist – entgegen der Hoffnungen – im Kesselchen noch immer extrem heiß. Scheinbar endlos reihen sich in der Dunkelheit die roten Rückleuchten vor den Fahrern auf, weisen den Weg nach oben. “Ich konnte keine ordentlichen Trittfrequenzen mehr treten. Ich habe nur versucht, durch pure Kraft auf dem Pedal voranzukommen.” Der Schweiß fließt in Strömen, leichte Krämpfe durchzucken die Beine. “Allerdings ging es mir im Vergleich zu vielen Anderen noch sehr gut: Im Anstieg sind fast 30 % aller Fahrer gelaufen, reihenweise haben sie sich in der Hohen Acht ausgeklickt.”

Mit letzter Kraft kommt Lars rein – nun ist auf bei ihm die Müdigkeit übermächtig.

2 Uhr nachts der Totalausfall: Beide Rennfahrer im (Alb-)Traumland.

“Uns sind allen die Augen zugefallen”, sagt Sarah, “Es hat sich einfach die lange Anfahrt, das Schlafdefizit vom Freitag und der Umstand, dass wir von Samstag 6 Uhr an komplett wach waren, komplett gerächt.” Die gesamte Crew fällt gegen 2 Uhr um – Heiko schläft tief und fest, Lars legt sich ebenfalls hin und auch Sarah und Timo, der die ganze Zeit über an der Rennstrecke unterwegs war, um zu filmen, lassen sich in die Kojen fallen.

Um 4 Uhr klingelt der Wecker von Lars, aber – auch, weil niemand sonst wach ist und klare Entscheidungen treffen könnte – er kann sich nicht dazu bewegen, aufzustehen.

Die gute Platzierung ist zu dem Zeitpunkt längst schon Geschichte. Und das Schlimmste – unaufholbar.

Showdown am Sonntag

Es ist Heiko, der gegen 6 Uhr – nachdem 4 Stunden lang nicht gefahren wurde und der Equipe mittlerweile 6 Runden fehlen – aufsteht und sich bereit macht.

“Ich wusste, dass dies meine letzte, wenn es gut läuft vielleicht vorletzte Runde sein würde – und es hat mir das Herz gebrochen. Aber ich war dermaßen durch den Wind, dass ich nur realistisch war. Eine Strecke wie die Nordschleife verzeiht keine Fehler – und in meinem Zustand wollte ich mich nicht in die Situation bringen austesten zu müssen, wie gut sie hier für Notfälle gerüstet sind.”

Heiko rafft sich noch einmal auf: Mitten in der Nacht ist es noch heiß.

Nach etwas mehr als einer Stunde kommt Heiko rein und übergibt Lars den Transponder.

Der hatte sich zuvor mit einem extragroßen Frühstück und einem 10-Löffel-Kaffee wieder auf Spur gebracht: “Als ich mich angezogen habe, sind mir immer wieder die Augen zugefallen. Aber als ich dann draußen stand, Heiko ankam und mir den Transponder gegeben hatte, war wieder alles in Ordnung: Die Leistung war da, alles lief perfekt!”

Sonnenaufgang: Equipe SunClass liegt ziemlich weit hinten.

Lars beendet seine Runde in unter einer Stunde. Sofort wechseln können sie aber trotzdem nicht: Heiko verbringt noch mehr als eine Stunde im Caravan, um sich auf seine – nun endgültig – letzte Runde vorzubereiten. “In so einem Zustand: Vollkommen übermüdet und körperlich absolut leer gefahren geht einfach nichts mehr.”, erklärt er später: “Du kannst keinen klaren Gedanken fassen und merkst eigentlich auch kaum noch, was um dich herum geschieht. Der Gedanke daran, wieder in diesem 6 Kilometer langen, extrem steilen Bergaufstück zu stecken, verursacht einfach nur Übelkeit!”

Heiko auf seiner letzten Runde: Wie machen das bloß die Anderen?

Trotzdem geht er gegen 10 Uhr auf die Strecke: Die ganze Crew applaudiert ihm bei der Abfahrt und jubelt – Motivation, die Heiko gebrauchen kann.

Das Wetter vereitelt den Befreiungsschlag

“Sobald Heiko unterwegs war, habe ich mich sofort hingelegt und mich gezwungen, wenigstens noch 30 Minuten zu schlafen”, erklärt Lars sein Vorhaben. “Sarah hatte Anweisung, mich dann mit einem starken Kaffee zu wecken – mein Plan war, wieder zwei Runden hinter einander zu fahren. So würden wir am Ende wenigstens 15 Runden auf dem Konto haben.” Der Mut der Verzweifelten …

So hätte es sein sollen: Lars kann die 2 letzten Runden nicht mehr fahren.

Die ursprünggliche Planung hatte 20 Runden vorgesehen. Das war das Ziel der Equipe. Beide Fahrer hatten noch am Samstag Abend auf 21 Runden gehofft. Heiko befand sich nun in der 13ten Runde. Mit insgesamt 15 Runden hoffte Lars, die Equipe SunClass wenigstens noch unter die Top 70 Mannschaften zu bringen.

“Mir war klar, dass das nicht gelingen würde, als ich zum zweiten Mal auf den Zeitnehmer-Monitoren die aktuellen Standings gecheckt habe”, weiß Sarah zu berichten. “Schon damals lagen sie auf Platz 91. Aber ich wollte ihnen nicht die Motivation nehmen.”

Und dann macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Von Norden her ziehen dunkle Wolken über die Nürburg, es fängt an zu nieseln, später zu regnen. Immer öfter hören sie nun die Notarzt-Sirenen, ab und zu fliegt auch der ADAC-Rettungshubschrauber los. Als Heiko über Funk dann mehrere Stürze von der Strecke meldet, entscheidet sich Lars, nicht mehr rauszugehen.

Nasse Fahrbahn, übermüdete Rennfahrer: Heiko meldet Stürze, der Helikopter fliegt Einsätze.

“Ich war so enttäuscht! Rein körperlich habe ich mich super gefühlt: Keine Beschwerden, durch das tolle Essen, ausreichend Trinken, die Recovery-Drinks und Supplements war ich perfekt eingestellt. Bis auf die Müdigkeit, aber die hatte ich Dank Koffein und Adrenalin im Griff. Ich wusste, dass ich die 2 Runden schaffen würde, locker – aber das Risiko, auf dieser Benzin- und Öl-getränkten Autorennstrecke im Nassen bei 80, 90 km/h auszurutschen, war mir einfach zu hoch.”

Eine rationale, eine richtige Entscheidung.

Der rutschige Asphalt und die Gefahr durch andere Fahrer, die fast alle sehr viel länger wach bleiben mussten, als unsere Rennfahrer, lassen den Rennabbruch gegen 11 Uhr als einzig richtige Entscheidung dastehen. “Auf der Rückfahrt hatte ich aber ganz schön Gewissensbisse – wäre ich mal doch noch rausgegangen!”, ärgert sich Lars noch lange nach dem Rennen.

Die Ergebnisse

“Alles in allem bin ich eher unzufrieden mit dem, was wir erreicht haben.”, sagt Heiko resümmierend: “Mein persönliches Down mal ausgeklammert – es war einfach schon zum Scheitern verurteilt, dass wir von Freitag auf Samstag quasi nicht eine Minute geschlafen haben: So sind wir ins 24-Stunden-Rennen schon vollkommen übermüdet gestartet!”

“Nächstes Jahr noch schneller. Noch besser!”

Lars fässt es etwas anders zusammen: “Dass wir das erste Drittel des Rennens unter die besten 25 Prozent aller Teilnehmer gefahren sind, stimmt mich sehr zuversichtlich – leistungsmäßig war ich auf einem Superniveau und habe bis auf zwei Runden immer Zeiten unter 60 Minuten gefahren. Dass wir hinten raus gescheitert sind, war spätestens nach meiner siebten Runde abzusehen, aber wenn nichts geht, geht halt nichts – das ist ganz normal beim Radsport.”

“Die Jungs haben tapfer gekämpft und ehrlich gesagt hätte es mich gewundert, wenn sie das höllische Anfangstempo durchgehalten hätten.”, sagt Sarah, die noch am Besten den Vergleich zwischen beiden Fahrern hat: “Wären sie ausgeschlafen ins Rennen gegangen und hätte die Hitze und Heikos Über-Motivation ihn nicht ausgeknockt, hätten sie locker ihre 20 Runden geschafft!”

Scheitern als Chance – 2012 wird es keine Fehler mehr geben.

Die Equipe SunClass beendet ihren ersten 24-Stunden-Einsatz auf dem Nürburgring mit 13 Runden auf Platz 95 der Gesamtwertung für Zweierteams.

“In 2012 werden wir wieder hier antreten – dann ausgeschlafen und mit den Lehren aus unseren heutigen Fehlern!” Mit dem Wissen, dass das Team in 2011 gewonnen hat, wird es umso stärker im nächsten wieder antreten. Antreten, um der grünen Hölle der Eifel die Stirn zu bieten.

1 Kommentar zu “24 Stunden in der “Grünen Hölle” – Die Equipe SunClass bei “Rad am Ring””

  1. [...] online angeworben. Auf dem Blog des Sunclass Teams sind immer die neusten Rennberichte publiziert (aktuell Rad am Ring). Ab und zu gibt es auch etwas zu [...]