Rennbericht: Sparkassen.Giro in Bochum
Die Equipe SunClass hat noch am Schock des schweren Trainingsunfalls unserer Swantje zu knabbern. Aber der Rennkalender verlangt nach einem mindestens 4 Mann starken Aufgebot, um in die Teamwertung zu kommen. Der Sparkassen.Giro in Bochum steht an – für das Team gehen Heiko, Florian, Jan und Lars an den Start.
Unsere Bemühungen, noch vor dem Termin eine würdige Ersatzfahrerin für das Gesamtklassement zu finden, kommen bis letzten Freitag leider nicht zu einem positiven Abschluss. Wir denken, dass wir bis zum nächsten Einsatz in Nürnberg im September mit einer Swantje #2 antreten können. Bewerbt Euch!
Ein Rennen ohne Dame? Ein böses Omen? Vielleicht.
Nach Anreise merken wir schnell: Die Stimmung in Bochum ist Spitze. Noch am Vorabend sehen wir beim Derny-Rennen den diesjährigen Tour-Sieger Cadel Evans, den amtierenden Deutschen Meister im Straßenrennen Robert Wagner und einige andere Profis. Das machte Lust auf den Sonntag!

Die Strecke ist ein 25 Kilometer langer Rundkurs durch die Stadt. Das Höhenprofil verspricht einige Steigungen. Für das Team ist das das erste Kriterium – sind alle bisherigen Rennen doch eher lange Strecken ohne Wiederholungen gewesen. “Vor allem die Kurven haben mir bei der Planung des Rennens Kopfzerbrechen bereitet.”, sagt Lars Reisberg: “Bei Stadtkursen sind 90-Grad-Kurven, enge, abgesperrte Passagen und – bei Regen – Fahrbahnmarkierungen immer ein Problem.”
Doch es sollte ganz anders kommen: Bereits nach dem Start zieht das Feld mit extrem hartem Tempo an. Im Startblock sehr weit vorn gestartet, können zunächst nur Heiko, Florian und Lars die Speed mitgehen. Jan entscheidet sich, mäßiger mit seinen Ressourcen zu haushalten und lässt hält die Speed noch im Grünen Bereich.
“Leider konnten wir wie die meisten anderen Teilnehmer die Strecke nicht vorher abfahren und so war die erste Runde – die “Kennenlernrunde” – sehr gefährlich”, sagt Florian, der schon beim ersten Durchfahren einer 50 langen Pflastersteinpassage eine seiner Trinkflaschen verliert. Auch Heiko muss eine Trinkflasche einbüßen; auf der zweiten Runde springt die Flasche aus der Halterung: “Der mitunter sehr schlechte Fahrbahnbelag war bei dieser hohen Speed glatter Selbstmord – mitten im Feld durch Schlaglöcher zu steuern ist Wahnsinn!”
Leider war gerade jene Flasche, die er entbehren musste, auch die Flasche, die mit Iso-Drink gefüllt war. So musste sich Heiko den Rest des Rennens mit einer einzigen Flasche klaren Wassers abmühen.
Nach dem langen Stück auf der Königsalle nach Süden biegt der Kurs abrupt auf die abgesperrte K-14 ab. “Hier hat das Feld dermaßen angezogen, dass wir trotz leichter Steigung weit über 50 km/h drauf hatten – nur, um dann am Ende von einer breiten, dreispurigen Fahrbahn auf einem schmalen, einspurigen Verbindungsabschnitt wie in einen Trichter gelenkt zu werden.” Lars muss höllisch aufpassen, denn hier will jeder der Erste im Trichter sein – es geht auf die Universitätsstraße, die sofort in ein starkes Gefälle übergeht. Wieder wird hart beschleunigt.
“Hier war der reine Wahnsinn!”, sagt Jan. Das Feld beschleunigt auf über 70 km/h – mindestens einen schweren Sturz können die Fahrer beobachten. “Das Herunterbremsen am Ende war durch einen Sprecher, der das Feld schon von weitem informierte, ganz gut gelöst – trotzdem hatte ich ganz schön Bammel, mit 250 anderen Verrückten durch die enge Kurvenkombination zu steuern.” Erst ab Runde 3, als das Feld etwas entzerrt war, können die Fahrer diese Stelle halbwegs sicher meistern.
Ab dort ging es auf teilweise sehr schlechten, engen Straßen in leichtem Auf und Ab durch bewaldete Hügel im Lottental. Und hier wartet dann auch die erste von 2 mächtigen Rampen auf das Feld. “Die erste Steigung war noch angenehm spaßig – vielleicht 11, 12 % und wirklich nett zu fahren.”, sagt Heiko. “Aber dann, nach einem kleinen Bergabstück kam die zweite, schlimmere Steigung.” Es geht die Surkenstraße hinauf zur Kemnader-Straße. Hier stehen dann besonders viele Zuschauer, die das Feld hier in harter Arbeit sehen können. Ein DJ und Musik peitschen zu Höchstleistungen.
“Hier habe ich mich am wohlsten gefühlt”, gibt Lars zu: “Berge sind mein Ding!”
Gar nicht so wohl fühlt sich Jan, der trotz Haushaltens stärker abbaut als befürchtet und schon in der zweiten Runde in ernsthafte Schwierigkeiten kommt. Florian kann sich in der Führungsgruppe, mit der alle gestartet sind, festbeißen und behaupten. “Ich hatte heute nicht wirklich gute Beine und musste echt hart arbeiten”, sagt er und grinst. Auch Florian hatte nur noch eine Wasserflasche.
Lars lässt nach der zweite Runde abreißen: “Das Tempo da vorn war viel zu hoch – meine erste Runde bin ich mit einem 38er-Schnitt gefahren, die zweite dann schon nur noch mit einem 37er.” Und das trotz dem er in den Steigungen die meisten Fahrer hinter sich lassen kann. “Der Highspeed-Anteil, und vor allem die 9 Schlusskilometer zum Ziel waren sehr hart für mich.” Hier muss er gleich zwei weitere Gruppen zu fast 20 Fahrern vorbei ziehen lassen.
Dann erwischt es auch noch Heiko: Ein abruptes Bremsmanöver eines einige Positionen vor ihm fahrenden Teilnehmers verursacht einen Sturz meherer Fahrer, unter anderem auch seinen. Großflächige Hautabschürfungen an Arm und Schulter sowie leichte Beschädigungen am Rennrad sind die Folge. Umso höher ist zu werten, dass Heiko das Rennen trotz heftiger Schmerzen in der Hüfte noch zu Ende fährt.
Die Ergebnisse des Rennens sind dann auch im Vergleich zu den beiden bisherigen Teilnahmen eher mager: Obwohl Florian auf dem 179ten Rang das Rennen beendet – und somit im Bereich vieler Punkte ist – und auch Lars und Heiko mit Rang 225 und 344 akzeptable Platzierungen einfahren, kann die Equipe SunClass keine Punkte für die Gesamtwertung sammeln. Jan muss das Rennen nach der dritten Runde abbrechen: “Mein Puls war dermaßen hoch, dass ich Angst hatte, mich zu überanstrengen.”, sagt er sichtlich berührt.
Am Ende ist wie immer die Freude groß im Ziel. Man beglückwünscht sich, ist froh, alles heil überstanden zu haben (bis auf Heiko) und resümmiert noch etwas atemlos das Rennen: Es war schnell. Es war hart. Aber es war genial!
Alles in allem bleibt Bochum als sehr hartes, schnelles Rennen in Erinnerung – der Kurs verlangt durch seine Arhythmie vom Fahrer alle Facetten des Radsports, höchste Fähigkeiten in puncto Radbeherrschung und trotz “nur” 100 Kilometern Länge enorme Kraftreserven.
Die Stimmung vor, nach und vor allem während des Rennens war berauschend – Bochum hat ein Radsportfest, das sich sehen lassen kann! Wir kommen sicher wieder. Und dann machen wir es besser.
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