Rennbericht: Sparkassen Neuseenclassics
Wie die Equipe SunClass beim schnellsten der German Cycling abgeschnitten hat.
Ein super Ergebnis für unsere Dame – ein rasantes Rennen für alle.
Die Neuseenclassics gelten als das flacheste und mithin als das schnellste Rennen im Saisonkalender des German Cycling Cups. Die Vorbereitung auf dieses Rennen, das auch dieses mal von unseren 4 Fahrern Swantje, Heiko, Florian und Lars gefahren wird, sorgte für so manche Stirnfalte und nachdenkliches Grübeln: Berichten doch einige Blogs und Online-Quellen von traditionell nervösem Fahren, vielen Stürzen und einem hektischen Gebolze.
Zunächst begeistert sich das Team am Vorabend des Rennens aber ob der eindrucksvollen Landschaft: Nachdem die Braunkohlezeit hier ein Ende gefunden hat, werden die riesigen Tagebau-Gruben nach und nach geflutet. Eben das Neuseen-Land entsteht. Flach ist es hier – ein offenes Gelände, landwirtschaftliche Nutzung, wenig Wald: Perfekte Bedingungen für Windkanten und hartes Bolzen im Peloton!
Renntag! Frühes Aufstehen war angesagt, denn zum Startort in Zwenkau hatten wir mit dem Teambus noch 20 Kilometer anzufahren. Frisch im nagelneuen Teamdress präsentiert sich das Team den interessierten Blicken der anderen Teilnehmer – darunter viele der “üblichen Verdächtigen”: Merkur-Druck geht mit einer zweistelligen Mannschaftsstärke an den Start, die RG Uni Hamburg sieht man auch hier und da und viele lokale Teams reihen sich in den Startblöcken ein.
Das Rennen startet!
Zum Glück bekommt die Equipe SunClass dieses mal den Startblock A zugewiesen, was die Aussichten auf ein schnelles Gruppetto enorm verbessert. Pünktlich zum Startschuss rollen die 4 Fahrer los. Lars hält sich dicht an Heiko, Florian nutzt vom Start weg ein sich bietendes Loch, um sehr weit nach vorn zu fahren.
Das Feld beschleunigt zum fliegenden Start hin enorm: Bereits nach wenigen hundert Metern bewegt sich der Tacho im mittleren 50er-Bereich, fragend und atemlos starren sich Heiko und Lars an. Schulterzucken – Mitbolzen!
Erste Selektion und harte Antritte
In Richtung Markkleeberg wartet eine Autobahnüberführung mit der ersten, sehr seichten Steigung auf, die aber zu abruptem Abbremsen und einem kleinen Stau führt. In dieser Situation schon rennentscheidend ist der Fakt, dass sich ein Teil des Startblockes A vor den Bremsenden sehr schnell absetzen kann – in diesem Feld fährt Florian.
Dahinter sind Swantje, die etwas abgefallen ist, Lars und Heiko “gefangen” und müssen wohl oder übel den nun folgenden, sehr gefährlichen kurvenreichen Parcours rund um den Störmthaler See absolvieren, ohne die Chance zu haben, zum Führungsfeld aufzuschließen.
Lars und Heiko beteiligen sich an der Führungsarbeit auf den folgenden Kilometern bis zur Halbzeit. Das Tempo ist unverändert hoch, die Straßen sehr gut asphaltiert, doch sehr eng und damit gefährlich: Hier kann sich nur aus haarigen Situationen (vor allem in den Kurven) heraushalten, wer vorn fährt und freie Bahn hat.
“Mir war vor allem in der Anfangsphase nicht klar, ob ich dieses Tempo mitgehen kann”, sagt Lars nach dem Rennen: “Es war unglaublich schnell und hart, vor allem, weil die Straße so eng war und nach den teilweise haarigen 90-Grad-Kurven traditionell brutal beschleunigt wird.”
Rennfahrer-Pech
Weiter vorn ereilt Florian das Pech – sehr gut in der Zeit und Platzierung liegend, platzt ihm der Hinterreifen. “Verdammt!, dachte ich. Bin voller Wut rechts ran und wechsle den Schlauch. Das ist so schon immer ein Gefummel, aber wenn du im Rennstress bist, gerade eine super Gruppe hast, dann wird alles viel hektischer und nerviger!”
Florian verliert gute 20 Minuten und natürlich seine und die folgenden, schnellen Gruppen.
Auch wenn seine Laune und die Moral noch gut sind – auf eine gute Platzierung kann Florian nun nicht mehr hoffen. Anders als Swantje. Sie ist an diesem wunderbaren Sommertag mit guten Beinen gesegnet – und der Tatsache, dass bei diesem Rennen im Vergleich relativ wenige andere Damen eingeschrieben sind. Das motiviert zusätzlich, und so sucht und findet sie ein Gruppetto, das sicher und ohne nervöses Getue die Kilometer abspult.
Heiko und Lars verstecken sich zunächst hinter den 5 Führenden – abwarten und sondieren ist die Parole.
Ganz anders Swantje. “Ich hatte schon beim Frühstück richtig Bock auf die Strecke und fühlte mich vom Start weg gut”, sagt sie. “Die Jungs, mit denen ich gefahren bin, wussten was sie taten. Ab und zu habe ich mich auch an der Führungsarbeit beteiligt, mich aber oft einfach nur aus den schwierigen Situationen – vor allem der engen 10%-Abfahrt – heraus gehalten.”
Swantje konnte das Rennen auf dem sensationellen 15. Platz der Frauen und einem überragenden 7. Platz ihrer Altersklasse beenden.
Vorn müssen Heiko und Lars auch hart arbeiten, um die heran stürmenden Fahrer auf Distanz zu halten. “Ich selbst konnte ab dem achzigsten Kilometer nicht mehr zum Speed beitragen und habe mich komplett aus der Führungsarbeit heraus gehalten”, sagt Lars. Ankommen mit Heiko war das Ziel und so hält er sich an der 5ten bis 8ten Position der Gruppe – vorn allerdings geht Heiko, der gewohnt kraftvoll ruhig im hohen Gang die Ebene kurbelt, regelmäßig in den Wind und trägt damit zum schnellen Fortkommen des gesamten Gruppe bei.
Ein superstarker Fahrer aus dem Team Deutsche Post und eine beachtenswerte Dame des Sparkasse-Teams wechseln sich mit Heiko ab – dann und wann sprintet einer von hinten nach vorn, viele lassen wieder in den Windschatten durchsacken.
Es geht kurz vor der Verpflegung – die unverständlicherweise in eine 50 km/h-Abfahrt gelegt wurde – noch entlang eines Flusses vorbei am schönen Schloss Colditz. Das “Ahh” und “Ohh” im Gruppetto bleibt den Radrennfahrern allerdings schnell im Hals stecken – eine harte 2 Kilometer lange Steigung des dann doch nicht so flachen Rennens saugt jetzt noch einmal kräftig Körner aus den Waden der Highspeed-Pedalleure.
Der Preis des hohen Speeds
Lars, der seine Stärke am Berg sieht, kann wieder ganz nach vorn fahren, wo er auch die folgende schnelle, knackige Abfahrt in der sicheren ersten Position meistert. Dann lässt er sich wieder an die 5te Position sacken und überlässt den starken Rolleuren das Treten. Gegen den Wind geht es nun in Richtung West wieder in Richtung der Neuseen und das Kraftwerk Lippendorf des Hauptsponsors Vattenfall.
Eine gute Gelegenheit, die SunClass-Trikots im Zeichen der Erneuerbaren Energien stolz in den Wind zu richten!
Kurz vor der Zieldurchfahrt dann ein Ärgernis: Das schnelle Peloton der Rennradfahrer trifft auf die langsamen, freizeitorientierten Radler der 80-Kilometer-Strecke. “Das bremst dann natürlich, zumal dort keine Ordnung im Peloton herrscht, es wird die ganze Straßenbreite genutzt, es gibt kaum Kenntnis der Renn-Etikette und so wurden wir beim Überholen doch sehr stark gebremst!”, resümmiert Heiko.
Erst kurz vor der Zielgeraden in Zwenkau kommen die beiden mit ihrem Gruppetto an den MTBlern und Hörnchenlenkern vorbei, um in einem letzten Sprint noch einmal zu versuchen, einige Plätze gut zu machen.
Geschafft nach 130 Kilometern und glücklich überquert Heiko als erster der Equipe die Zielgerade, eine Sekunde hinter ihm Lars. Etwa 15 Minuten später trifft auch Florian ein, der natürlich sauer ist ob seiner schlechten Platzierung – aber auch eine Reifenpanne gehört zum Radsport dazu.
Am glücklichsten scheint Swantje zu sein, die freudestrahlend zum Treffpunkt gerollt kommt. “Zum ersten Mal überhaupt habe ich es geschafft, in einem Rennen konsequent auf Trinkdisziplin zu achten – und alle 30 Minuten ein Gel zu essen.” Ob es das war, das den entscheidenden Ausschlag zu ihrer guten Platzierung gegeben hat, ist kaum zu sagen, fest steht allerdings, dass an einem heißen Tag wie diesem der Wasserhaushalt ein wichtiger Aspekt war.
“Drei Flaschen mitzunehmen war eine gute Entscheidung”, sagt Lars. “Das Extragewicht am Anfang wurde vom Zeitvorsprung, den ich durch das Auslassen der Verpflegung gewinnen konnte, mehr als wett gemacht.”
Und so rollt die Equipe geschlossen, erschöpft aber glücklich zum Teambus zurück – sogar Florians Enttäuschung ist etwas verflogen. Beim nächsten Rennen des German Cycling Cups – dem Kriterium in Bochum – wird er dann sicher mit nagelneuen Mänteln und einer offenen Rechnung antreten, was sicher für eine Top-Platzierung sorgen wird.
Die Neuseenclassics Leipzig waren, abschließend gesprochen, ein sehr erfolgreiches Rennen für die Equipe: Eine Platzierung in den Top 10 der Altersklassen mit Swantje und die sehr guten Plätze in den Top 200 von Heiko und Lars sind viel versprechend.
Dass die Neuseenclassics ein besonders gefährliches Rennen sind, können unsere Fahrer nicht bestätigen. “Es war jedenfalls nicht nervöser oder gefährlicher, als die anderen Rennen”, konstatiert Lars am Schluss. Super organisiert (bis auf die Verpflegung), Top Wetter, eine tolle Stimmung im Peloton sowie eine absolut sehens- und fahrenswerte Strecke machen die Neuseenclassics zu einem absoluten Tipp für alle Radrennfahrer. Wir werden wiederkommen!
Die Ergebnisse
Heiko fährt mit 3:31 Stunden die schnellste Zeit und erkämpft sich damit Platz 176 der Gesamtwertung und Platz 70 seiner Altersklasse (AK). Dicht gefolgt von Lars, nur 2 Sekunden hinter Heiko auf Platz 178 und 71 der AK über den Zielstrich fährt. Beide fahren einen Schnitt von 37,84 km/h – im Übrigen langsamer als Cyclassics oder Velothon.
Swantje ist überglücklich über ihren 15. Platz der Frauen und den sensationellen 7. Platz ihrer AK in 4:01 Stunden mit 33,16 km/h Schnitt erreicht.
Weniger glücklich ist Flo – Platz 409 (159 AK) und 3:53 Stunden sind weit unter seinen Möglichkeiten. Aber das wird sich in Bochum ändern. Versprochen!




















die Trikots sind richtig cool! Ich bin begesitert!