Was war das für ein Tag?! Die Sonne strahlt, als stünde nicht die dunkle sondern die warme Jahreszeit vor der Türe – pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit taucht sie das Münsterland nicht nur in sommersonnige Herbstfarben sondern hebt auch die Temperaturen auf atemberaubende 25 Grad an – perfekt, um ein 125 Kilometer langes Rennen zu fahren!

Das Team nach dem Rennen – so sehen glückliche Rennrad-Fahrer aus

Das SunClass Cycling Team ist mit Florian, Heiko, Steven, Lars und dem weiblichen Neuzugang Swantje schon am Vortag angereist und beschaute sich die Stadt, die als Fahrradhauptstadt Deutschlands gilt (zurecht) und nicht nur durch den Westfälischen Frieden Weltgeltung erlangte. Doch alle Gedanken richten sich auf Eines – den Münsterlandgiro zu fahren.

Am nächsten Morgen geht es zu zivilisierter Stunde – 9:30 Uhr – mit 4.000 anderen Rennrädern an den Start. Wir beginnen das Rennen ruhig aus Startblock B. Dachten wir: denn schon von Anfang an attackiert Florian und zieht an Rennradler um Rennradler vorbei. So arbeiten sich Flo, Heiko, Lars und Steve durch den B-Block bis etwa 100 Fahrer hinter die Spitze des Feldes, in dem auch Erik Zabel mitfährt.

Im Startblock herrscht Bombenstimmung.

Swantje geht von Anfang an ihr eigenes Tempo und wählt eine gleichmäßigere Fahrweise. Auch Steve verabschiedet sich nach den ersten 20 Kilometern vom Teamzug, der mittlerweile nur noch aus Flo, Heiko und Lars besteht.

Das SunClass Team fährt zum Start

Lars hat schon bei Kilometer 30 Probleme – das erste Power-Gel wird hastig geschluckt und der Mund steht weit offen. Kann er das hohe Tempo dieser Gruppe mitgehen? Er hält das Hinterrad seines Teamkollegen Heiko – einige Fahrer weiter vorn kämpft Florian verbissen um weitere Plätze. Lars muss abreißen lassen, als es an die Führungsarbeit im Wind geht. Der Tank ist – zumindest für die Spitzegruppe – leer.

Lars Reisberg in der Krampfhölle – hier von einem überholt, der aussieht, wie Weltmeister Fabian Cancellara

Ab Kilometer 50 fährt er unter stetigen Krämpfen und verliert immer weiter an Boden. Heiko und Florian sind da schon buchstäblich über alle Berge. Das Rennen geht weiter – an der Spitze wird weiterhin um wertvolle Punkte der Gesamtwertung des German Cycling Cup gefahren, das Tempo ist hoch. Florian ereilt das Pech, als er von hinten durch unkontrolliertes Ausscheren seines Hintermannes abgeschossen wird. Ein böser Sturz – Gottseidank ohne schwere Verletzungen und Schäden am Rennrad – ist die Folge.

Zu dieser Zeit liegen Flo und Heiko nur 4 Minuten hinter der Spitze. Heiko fährt Flo wieder an die nächste größere Gruppe heran, aber sie können die verlorene Zeit nicht wieder aufholen. Kurz hinter der zweiten Bergprüfung – nach der 16 %igen Rampe des Coesfelder Berges (800 m lang) steht nun eine ähnlich steile, aber mit 1 Kilometer ungleich längere Prüfung auf dem Programm.

Die Strecke ist nicht immer so flach wie hier …

Das Feld wird wieder gesprengt – die Chance für Flo und Heiko?

Derweil ziehen Steven und Swantje weiter hinten im Feld ihre Runden. Gleichmäßig – wie die beiden Triathleten es gewohnt sind – kurbeln sie die Kilometer herunter und halten sich aus den hastigen Positionskämpfen heraus. Eine gute Strategie!

Lars leidet – ab Kilometer 80 kann er keine Gruppe mehr halten und nur noch auf den höheren Gängen des kleinen Blattes fahren. Er wird ständig überholt, schmerzhafte Krämpfe jagen bei jeder Umdrehung durch seine Schenkel und Waden. Er muss fürchten, das Rennen nicht zu Ende fahren zu können: “Ich habe zum ersten mal überhaupt ernsthaft daran gedacht, mich in den Besenwagen zu setzen.”, gibt er enttäuscht nach dem Rennen zu.

Vorne steht Florian unter Adrenalin, das ihm nach dem unverschuldeten Sturz durch die Adern schießt – wütend und ohne Selbstkontrolle gibt er alles, powert nach vorn und lässt sogar seinen Teamkollegen Heiko zeitweise hinter sich zrück. Als er versucht, eine engere Kurve mit über 40 km/h zu nehmen, trägt es ihn zu weit nach außen – der zweite Sturz!

Leichte Blessuren bei Florian Ernst – er hat tapfer gekämpft!

Trotz dieser Ausfälle, der Krämpfe und allem kann jedoch das gesamte Team finishen.

Florian und Heiko beenden das Rennen jeweils auf den Plätzen 424 und 536 – von 1.000. Lars kann sich mit letzter Kraft nach 3:46 Stunden nur wenige Sekunden vor Swantje auf den 751ten Platz retten, Swantje beendet das Rennen auf einem fantastischen Platz 21 der Freuenwertung. Steven kommt nur eine Minute nach Lars und Swantje mit 3:47 Stunden ins Ziel.

“Die Strecke war sehr anspruchsvoll und das Tempo enorm hoch.”, sagt Heiko später, “Aber Hut ab: Alle Fahrer waren sehr diszipliniert und aufmerksam – keine Anfänger unterwegs.” Auch Lars musste nur einen Sturz beobachten, was ein sehr guter Wert ist.

Alles in allem beendet unser Team das Rennen im Münsterland auf Platz 49 der Teamwertung – für den ersten Renneinsatz beim German Cycling Cup ein durchaus erfolgreicher Wert. “In 2011 geben wir so richtig Gas!”, verspricht Florian und zwinkert dabei.

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen

Ein Dank an alle Organisatoren vor Ort und die Teambetreuer des Rennrad-Teams SunClass Cycling – wir freuen uns auf die kommende Saison und noch mehr spannende, tolle Rennen!

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